Branche · Textil
Textil und Mode: Nachhaltigkeitsaussagen dokumentieren
Textil kombiniert Material-, Prozess- und Langlebigkeitsaussagen, oft ungeprüft aus Lieferantendaten übernommen. Die Richtlinie (EU) 2024/825 verlangt einen expliziten Perimeter und den Nachweis beim Verbreiter der Aussage, nicht nur beim Hersteller.
Welche Aussagen dominieren die Branche?
„Bio-Baumwolle“, „recyceltes Material“, „verantwortungsvolle Mode“, „ethische Produktion“ und „nachhaltig gefertigt“ bilden den Kern. Ohne Prozentwert, Standard und Perimeter fallen sie unter die untersagten Pauschalaussagen.
Wie belegt man einen Materialanteil?
Nennen Sie den exakten Anteil, das erfasste Element und die Quelle: Transaktionszertifikat, Lieferantenbestätigung oder Audit. Ein Anteil für den Hauptstoff darf nicht als Anteil des gesamten Kleidungsstücks dargestellt werden.
Welcher Nachweis für Textilzertifikate?
Das Zertifikat muss gültig, namentlich zugeordnet und für die verkaufte Referenz einschlägig sein. Abgelaufene Lizenznummern in Onlinekatalogen sind ein häufig und leicht feststellbarer Verstoß.
Wie behandelt man soziale Aussagen?
Ethik- und Sozialaussagen sind keine Umweltaussagen, unterliegen aber demselben Wahrheitsgebot. Sie erfordern Audit oder identifizierbares Referenzsystem, sonst bleiben sie unbelegte Behauptungen.
Wie verfolgt man Saisonkataloge?
Neue Kollektionen führen Formulierungen jede Saison neu ein. Periodischer Re-Crawl und Warnung bei neuen Aussagen verkürzen die Lücke zwischen Veröffentlichung und juristischer Prüfung.
Zitierte Rechtsgrundlagen und Behörden
- Richtlinie (EU) 2024/825 vom 28. Februar 2024 — Umweltaussagen und Langlebigkeit
- Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken (geändert)
- UWG §§ 3, 5, 5a — Irreführung durch Handlungen und Unterlassen
- Wettbewerbszentrale — Abmahnpraxis bei Umweltwerbung; BGH-Rechtsprechung zu „klimaneutral“
FAQ
Ist „öko-verantwortlich“ nutzbar?+
Es ist eine typische Pauschalaussage: ohne Kennzahl, Perimeter und Nachweis untersagt. Sie ist durch messbare Angaben zu Material, Prozess oder Garantiedauer zu ersetzen.
Genügen Lieferanten-Datenblätter?+
Sie sind ein Anfang, müssen aber geprüft und archiviert werden. Verantwortlich für die Aussage bleibt der Verkäufer, auch bei importierten Inhalten.
Muss Reparierbarkeit genannt werden?+
Reparaturinformationen und eine etwaige Haltbarkeitsgarantie sind dem Verbraucher vor dem Kauf zur Kenntnis zu bringen.